Gedanken zu Netzwelt vs. Reale Welt

Aktuell kommt mal wieder die Debatte über das noch so böse Internet und die ach so gefährliche und moralfreie digitale Welt auf.

Ich denke der Kern der Debatte ist ein großes Missverständnis beider Welten, der Digitalen und der Realen. Das Missverständnis liegt dabei nicht darin dass sich die Bewohner der Welten nicht verstehen, sondern in dem Glauben die Welten wären getrennt. Genauer in der stilschweigenden Prämisse es sind zwei Welt. Dabei wird immer wieder vergessen, dass die eine „Welt“ nur ein Medium ist, welches die Bewohner der „realen Welt“ sich zu Nutze machen.
Blogs oder auch das Kopieren sind nichts anderes als Phänomene, die in schwächerer etwas anderer Form schon immer existent waren.
Der Unterschied zu Flugblättern, Abschriften oder einer überspielten Kassette liegt nur in der Anzahl der möglichen Profiteure oder besser Teilhaber. Denn der Kreis derer die ein Flugblatt, in Form eines Blogbeitrages, erreicht oder die ein kopiertes Spiel, im Netz nicht auf Diskette, erhalten können ist potentiell viel höher. Ebenso ist auch die Eintrittsschwelle niedriger, denn um einen Blog zu schreiben und über diesen die Menschen zu erreichen ist einfacher und günstiger als ein Flugblatt zu gestalten, zu drucken und zu verbreiten. Die kulturelle Technik ist aber in beiden Fällen die Gleiche:

Es bleibt ein Lesen und Schreiben.

Auch das Kopieren ist eine Kulturtechnik, da Kopieren eine Form der Nachahmung ist und dieses eine Form des Lernen ist.

Bestehen bleibt das Problem der scheinbar kostenfreien Güterverteilung und der dieser wiedersprechenden Sicherung der Rechte der Erschaffer der Güter bzw. des Werkes.

Das Problem bei der Lösung dieses Zwiespaltes ist meines Erachtens nicht, dass es keine Möglichkeit gibt digitale Güter bzw. Werke zu monetarisieren. Der aktuelle Ansatz  ist aber das Medium als Gegner und nur die Problem, die sich ergeben können, zu sehen und nicht die Chance, die es biete zu nutzen.

Denn was illegale Angebote beweisen ist, dass es zum Einen ein Interesse daran gibt auf diesem digitalen Wege die Güter zu konsumieren, was bekannt sein sollte, und zum Anderen, dass auch Konsumenten dieser illegalen Angebote bereit sind für Inhalte und Güter zu bezahlen.

Nebenbei ist in diesem Medium der Besucher auf einem Angebot selbst schon eine Ware, da Werbung unter anderem nach Einblendungen bezahlt wird und somit jeder Besucher den Ertrag steigern kann.
Doch um eine Möglichkeit der Finanzierung professioneller digitaler Angebote sollte es nicht gehen, sondern zu zeigen das es eben keine getrennten Welten sind.

Wenn es wirklich getrennte Welten wären müsste es Grenzen zwischen diesen geben.

Als Grenze könnte man den Ort des Geschehens benennen. Die Kommunikation bzw. das Lesen und Schreiben findet in Form von Bits und Bytes statt und ist physisch nicht fassbar, wobei man den Computer bzw. den Bildschirm, als Trägermedium, anfassen kann.
Falls dieses die Grenze sein sollte müssten wir aber die reale Welt genauer bestimmen und prüfen ob es ähnlich Trägermedien gibt. Die Schrift selbst ist aber nicht ohne Trägermedium denkbar. Schrift ist in sich selbst nicht greifbar, sie wird dieses erst durch das Papier auf dem sie gedruckt und somit gespeichert ist. Ich glaube aber keiner würde behaupten das Bücher, Notizen oder besser geschriebene Werke nicht zur realen Welt gehören.

Somit wäre diese Grenze der Form der Speicherung ziemlich willkürlich und nicht begründbar ohne Inhalte anderer Speicherformen, wie Papier, CD, DVD ebenso aus der realen Welt auszuschließen.

Eine andere Grenze könnte man in der Verfügbarkeit bzw. Akzeptanz der Technik innerhalb der realen Welten machen. Doch dann lies sich ebenso eine reine Fernsehwelt, eine Funkwelt, eine Telefonwelt usw. usf. von der realen Welt unterscheiden. Da alle diese Techniken beziehungsweise Medien nicht von allen genutzt oder akzeptiert werden bzw. nicht allen verfügbar sind.

Jede andere Grenze wäre aber auch willkürlich, da alle potentiellen Teilnehmer der digitalen Welt auch an der realen Welt teilnehmen müssen und somit immer zu dieser gehören.

Da sich keine Grenze zwischen beiden Welten ziehen lässt sollte die Debatte über Netzpolitik oder die Freiheit im Netz eben keine Debatte über ebensolche sein, sondern eine Debatte über Politik und Freiheit im Allgemeinen.
Die Fragen dieser allgemeinen Debatte sind die Gleichen:
Will ich in einer Gesellschaft leben in der ich meine Meinung frei äußern und mich frei ohne Zensur informieren kann?
Wo legen wir die Grenze unserer Freiheit für uns fest und wie gehen wir damit um(Stichwort: Hetze, Privatsphäre, Gewalt, )?
Was ist wertvoller größtmögliche Freiheit oder größtmögliche Sicherheit?

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