Gedanken zu Kauder und dem Anonymen Veröffentlichen

In einem sehr interessanten Interview äußerte sich heute Herr Kauder, der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, mal wieder zum Internet und zum Recht.
In diesem beantwortet er die Frage nach anderen netznahe Politikfelder, in denen er sich engagieren möchte mit folgendem Satz:

„Kauder: Was mich auch sehr stört ist, dass es möglich ist, im Internet anonym zu publizieren. Das muss aufhören. Das geht nicht. Bei jedem Leserbrief an die Lokalzeitung müssen sie ihren Namen dazu schreiben.“!
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/digital/siegfried-kauder-zum-urheberrecht-im-internet-meine-blasmusik-interessiert-das-nicht-1.1169431

Ihn stört, wie man unschwer erkennen kann, die Möglichkeit des anonymen Publizierens. Dabei aber im besonderen die Dauerhaftigkeit einer solchen Veröffentlichung. Denn auf die Rückfrage, dass man doch auf Demonstrationen auch keine Namenschilder tragen muss sagt er:

„Kauder: Das ist etwas anderes. Die Demonstranten gehen anschließend wieder nach Hause. Aber das Internet ist ein Raum, in dem alles stehen bleibt.“

Dies scheint zu Bedeuten, dass nicht das anonyme Publizieren sein Problem ist, was man als positiv erachten kann, sondern die Dauerhaftigkeit der Publikation.
Dabei treten aber mehrere Probleme auf zum Einen sind Publikationen laut Wikipedia einerseits Veröffentlichung eines Mediums andereseits genau dieses Medium selbst. Kauder scheint aber das Internet nicht als das Medium selbst sondern nur als die Plattform(Übertragungsmedium), ebenso wie Rundfunk, zu betrachten. Diese bedeutet im Internet werden Publikationen(Medium) dauerhaft veröffentlicht, es ist aber selbst nicht publizierend.

Die Dauerhaftigkeit, das eigentliche Problem, ist dabei  in gewisser Weise abhängig von der Art der Veröffentlichung, als der Form zum Beispiel einer Webseite, eines Ebooks und so weiter.

Da beispielsweise Webseiten auch gelöscht werden können, handelt sich somit nicht um eine ewige Veröffentlichung, sondern die Veröffentlichungen im Netz sind auch nur in einer bestimmten Zeitspanne verfügbar.

Ja aber das können auch 50 Jahre oder mehr sein. Richtig, doch ebenso können es auch nur 5 Minuten sein. Damit stellt sich die Frage ab wann gilt etwas dauerhaft verfügbar, reichen dafür Minuten Stunden, Tage, Jahre?

Egal wie lange die Zeitspanne ist, wenn wir das Anonyme Publizieren auch nur ab einer bestimmten Dauer verbieten wollen nützt es nichts, dieses allein im Internet zu verbieten.
Denn es ist eben nicht so, dass ich in der lokalen Zeitung einen Namen unter den Leserbrief setzen muss, da ich diesen ohne Absender oder unter einem Pseudonym an die Zeitung senden kann, und ich wage zu behaupten, dass es auch in Gartenzeitung schon Leserbriefe gab unter denen Anonym stand.
Wenn es aber möglich ist auch außerhalb des Internets dauerhaft anonym zu veröffentlichen, gibt es nur zwei Konsequenzen: entweder man lässt die Möglichkeit der Anonymität zu oder man verbietet und kontrolliert jegliche Möglichkeit der anonymen Publikation.

Doch kann man auch mit einem Stift, einem Drucker oder einem Kopierer problemlos Nachrichten, Texte selbst ganze Bücher dauerhaft anonym in der Gesellschaft verteilen, somit haben analoge Veröffentlichungen ebenso einen dauerhaften Charakter wie eine Veröffentlichung im Internet und das Übertragungsmedium Papier und Tinte müssten auch kontrolliert werden.

Aber ist das eine Gesellschaft die wir wollen?

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